10.August 2017

Netze BW will mit ‚Öko-Trafos‘ Mineralöl einsparen

Standort in Bad Waldsee einer der ersten beim landesweiten Pilotprojekt

Bad Waldsee. Die Netze BW testet großflächig den Einsatz von Pflanzenöl als Isolator in Transforma¬toren. Einer dieser ‚Öko-Trafos‘ steht seit neuestem auch in Bad Waldsee. Mit dem Pilotversuch allein will die EnBW-Tochter schon 37 Tonnen Mineralöl einsparen.

Ziemlich unscheinbar wirkt die neue und kompakt ausgeführte Ortsnetzstation neben der Kirche im Bad Waldseer Stadtteil Reute. Doch mit dem Trafo im Inneren, der den Strom von 20.000 Volt Mittelspannung auf die in Haushalten und Betrieben üblichen 400/230 Volt herunterspannt, betritt die EnBW-Tochter Neuland. Zur Isolation und Kühlung nutzt er biologisch abbaubares Pflanzenöl anstatt des gebräuchlichen Mineralöls. Nötig wurde die neue Ortsnetzstation aufgrund einer geplanten Leistungserhöhung im direkten Umfeld. In den kommenden Wochen werden die Erdkabel und Anschlüsse verlegt, so dass der Trafo bis Ende September in Betrieb gehen kann.

Insgesamt will die Netze BW in den nächsten Monaten genau 102 ihrer rund 26.500 Stationen in Baden-Württemberg mit den grün gestrichenen ‚Öko-Trafos‘ ausstatten. Der Standort in Reute gehört noch zu den ersten im Land und ist – nach Leutkirch Ellerazhofen - der zweite im Kreis Ravensburg. Bisher wurden gut zehn dieser Trafos installiert – je etwa zur Hälfte im Großraum Stuttgart und in Oberschwaben.

Der Hintergrund des Projekts: Besonders in ökologisch empfindlichen Bereichen wie Wasserschutzschutzgebieten ist Mineralöl zur Isolation und Kühlung von Trafos nicht erlaubt. Die bisher gebräuchlichen Alternativen gelten als technisch aufwändig und zudem teuer. Deshalb experimentiert die Netze BW bereits seit 2010 mit Pflanzenöl im Netzbetrieb. „Die Ergebnisse waren so ermutigend, dass wir uns zu dem großen Feldtest entschlossen haben“, so Martin Konermann, deren Technischer Geschäftsführer. Spezielle Messsysteme sollen ab Herbst ein Jahr lang die Betriebsdaten des vorwiegend aus Raps gewonnenen Isoliermittels auswerten. Untersucht wird am Institut für Energieübertragung und Hochspannungstechnik (IEH) der Uni Stuttgart vor allem dessen Verhalten unter verschiedenen klimatischen Bedingungen wie Hitze, Kälte, Feuchtigkeit oder starker UV-Strahlung. Wegen der Entfernung nehmen die Forscher die Messungen im Mittleren Neckarraum vor. Siemens hat die Trafos in Ungarn speziell für die Netze BW hergestellt und erwartet laut Markus Klinner, dem Kundenbetreuer für die EnBW, ebenfalls „mit Spannung die Forschungsergebnisse“. Nach Herstellerangaben isoliere das Pflanzenöl ähnlich gut wie Mineralöl und biete aufgrund des höheren Flammpunktes sogar einen deutlich besseren Brandschutz. Mit der ökologischen Begleitforschung ist das Institut für Energie- und Umweltforschung aus Heidelberg (IFEU) betraut.

Zum Zuge kommen die neuartigen Trafos – wie auch in Reute - vor allem bei turnusgemäßen Ersatzinvestitionen und Erweiterungen. Insgesamt rechnet die Netze BW mit einem Investitionsvolumen von gut 600.000 Euro, einschließlich des Mehraufwands für den Pilotversuch. „Auf diesem Weg sind wir bisher der einzige Verteilnetzbetreiber in Deutschland“, so Martin Konermann. Im Falle positiver Testergebnisse könnten bei der Netze BW zukünftig generell Pflanzen- statt Mineralöl in Trafos eingesetzt werden. Für ihn bedeutet das Projekt „einen weiteren Schritt auf dem Weg, mit Innovationen im Netzbetrieb ‚spitze‘ zu sein und dabei den Umweltschutzgedanken konsequent zu verfolgen“.

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