06.Juni 2018

Ökoeffizienz im Umspannwerk

Weltpremiere in Nördlingen: Neue Schaltfelder mit innovativer, umweltfreundlicher Technik in Betrieb genommen

Den ‚Buzzer‘ haben gedrückt (von links): Frank Hose (Vorstand ODR AG), Ralf Christian (CEO der Division „Energy Management“, Siemens AG), Dr. Hans-Josef Zimmer (Mitglied des Vorstands der EnBW AG), Karlheinz Kronen (CEO der Business Unit „High Voltage Product“, Siemens AG), Frank Reitmajer (Sprecher der Geschäftsführung, NGO Netzgesellschaft Ostwürttemberg DonauRies GmbH), Dr. Martin Konermann, Geschäftsführer Technik, Netze BW GmbH) und Hermann Faul (Oberbürgermeister von Nördlingen).

Nördlingen. In Anwesenheit von Oberbürgermeister Hermann Faul wurde heute mit einem symbolischen Knopfdruck das erneuerte Umspannwerk Nördlingen in Betrieb genommen. Für rund 2,5 Millionen Euro hatten die EnBW-Tochtergesellschaften Netze BW GmbH und Netzgesellschaft Ostwürttemberg DonauRies GmbH (NGO) ihre gemeinsam genutzten technischen Anlagen am Luntenbuck umfangreich modernisiert. In rund einem Jahr Bauzeit wurden unter anderem die bestehende luftisolierte Schaltanlage erweitert und ein neuer 110/20kV-Transformator sowie eine neue Schutz- und Leittechnik installiert.

Innovation und Klimaschutz

Im Rahmen des Projekts hat Generalunternehmer Siemens seine neuen Freiluft-Leistungsschalter mit Vakuum-Schalttechnik sowie kombinierte Spannungs- und Stromwandler mit sogenannter Clean-Air-Isolierung eingebaut – weltweit zum ersten Mal in einem 110-kV-Hochspannungsnetz. Die Schalter und Messwandler kommen ohne das Schalt- und Isoliergas Schwefelhexafluorid (SF6) aus.

Der Einsatz von Schwefelhexafluorid in Umspannwerken ist seit Jahrzehnten weltweit gängige Praxis. „Aufgrund seiner elektrischen und chemischen Eigenschaften ist SF6 besonders für den Einsatz in kompakten Schaltanlagen geeignet“, sagt Netze BW-Geschäftsführer Dr. Martin Konermann. „Was aber in den Schaltanlagen sehr gut ist, ist für die Atmosphäre weniger ideal: SF6 hat ein hohes Treibhauspotential. Deswegen geht unser Fachpersonal auch sehr sorgsam mit dem Gas um. Dennoch suchen und erproben wir Alternativen – so wie mit der neuen Technologie, die wir heute hier im Umspannwerk Nördlingen in einer Weltpremiere erstmals in Betrieb nehmen.“

Stromnetz wird für Energiewelt von morgen umgestaltet

„Der Ausbau von dezentralen Erzeugungsanlagen – wie auch hier in der Region hauptsächlich in Gestalt von Wind- und Photovoltaik-Anlagen – macht es notwendig, die Stromnetze daran anzupassen. Denn die Energiewende braucht ein starkes Stromnetz, um möglichst viel regenerative Energie aufnehmen zu können“, sagt Frank Reitmajer, Sprecher der NGOGeschäftsführung. „Unser Umspannwerk ist jetzt für die Zukunft gut gerüstet."

Unternehmensziel Umweltschutz

„Das Projekt passt sehr gut zu unseren Unternehmenszielen, in denen Nachhaltigkeit und der Schutz der Umwelt fest verankert sind. Umweltschutz ist somit auf Konzernebene und in allen Gesellschaften eine zentrale Aufgabe“, erklärt Dr. Hans-Josef Zimmer, Mitglied des Vorstands der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Eines der Handlungsfelder, die der Konzern für sich definiert hat, ist die Reduzierung von Treibhausgasemissionen.

Effiziente Technik für moderen Stromnetze

Die in Nördlingen eingesetzten Hochspannungs-Leistungsschalter und Messwandler von Siemens mit Vakuum-Schalttechnik und Clean-Air-Technologie sind Weiterentwicklungen der Schalter und Messwandler, die mit SF6 als Isolier-, Schalt- und Löschgas arbeiten. „Wir entwickeln unsere Produkte stetig weiter in Hinsicht höherer Effizienz, Sicherheit und auch Umweltverträglichkeit. Dies spiegelt sich in unserem Blue-Portfolio wider“, sagt Ralf Christian, bei Siemens CEO der Division Energy Management. „Das Blue-Portfolio erlaubt, auf höchstem Sicherheitsniveau die bestehenden Stromnetze zu modernisieren und auszubauen und zugleich den ökologischen Fußabdruck in besonderem Maße zu verringern, ohne auf Leistung und Wirtschaftlichkeit verzichten zu müssen.“ Bei den Anlagen in Nördlingen übernimmt eine Vakuum-Unterbrechereinheit das Schalten und das Löschen des Lichtbogens. Gleichzeitig sorgt technisch aufbereitete und gereinigte Luft mit einem Mischungsverhältnis von 80 Prozent Stickstoff zu 20 Prozent Sauerstoff, Clean Air genannt, für die Isolierung der stromführenden Leiter im Inneren der Gehäuse der Leistungsschalter und Messwandler. Mit dieser Kombination hat Siemens die bestehende Isolier- und Löschtechnik gemäß den Anforderungen an Klimaneutralität weiterentwickelt.“

Weiterer Baustein der Energiewende

Von dem Pilotprojekt versprechen sich die Partner wichtige Erkenntnisse im täglichen Einsatz in einem Hochspannungsnetz. Neben den ökologischen und technischen Aspekten wird natürlich auch die Wirtschaftlichkeit darüber entscheiden, ob Netzbetreiber die neue Technik auch großflächig einsetzen werden.

Für alle Projektbeteiligten ist der Einsatz dieser innovativen Betriebsmittel ein weiterer Baustein der Energiewende und weltweit ein Meilenstein.

Hintergrundinformation:

In Schaltanlagen, den „Knoten“ der Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze, erfolgen die eigentliche Stromverteilung sowie das Zusammenfassen von Lasten bzw. Verbrauchern. Sie ermöglichen der Leitstelle das Freischalten von Betriebsmitteln für Wartungsarbeiten und das Umleiten der Stromflüsse bei Störungen einzelner Leitungsabschnitte.

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