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E-Lkw laden: Ladeinfrastruktur und Netzanschluss für Elektro-Lkw

Elektro-Lkw (E-Lkw) verändern den Güterverkehr

Sie stellen dabei besondere Anforderungen an das Laden. Anders als ein Elektroauto benötigt ein E-Lkw sehr viel Energie in kurzer Zeit und damit hohe Ladeleistungen. Das wirkt sich direkt auf den Netzanschluss aus. Als Verteilnetzbetreiber in Baden-Württemberg spielt Netze BW hier eine zentrale Rolle: beim Anschluss neuer Ladeinfrastruktur und bei der Frage, wie sich hohe Ladeleistungen netzverträglich integrieren lassen. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie das Laden von E-Lkw funktioniert, was es für den Netzanschluss bedeutet und wie netzorientiertes Laden hilft, Ladeinfrastruktur schneller ans Netz zu bringen.

Warum das Laden von E-Lkw besondere Anforderungen stellt

E-Lkw legen im Schnitt hohe Fahrleistungen zurück und haben entsprechend große Batterien. Um diese in den oft kurzen Standzeiten – etwa während der gesetzlich vorgeschriebenen Lenkzeitpausen oder über Nacht im Depot – wieder aufzuladen, sind deutlich höhere Ladeleistungen nötig als bei einem Elektro-Pkw. Während ein Pkw typischerweise mit einigen Dutzend bis wenigen Hundert Kilowatt lädt, bewegen sich E-Lkw im Bereich mehrerer Hundert Kilowatt bis in den Megawatt-Bereich. Diese hohen Leistungen sind der entscheidende Unterschied – und der Grund, warum das Laden von E-Lkw eng mit dem Stromnetz zusammenhängt.

Wo E-Lkw geladen werden

Grundsätzlich werden E-Lkw an zwei Orten geladen, die sich ergänzen: im Depot und unterwegs. Für Logistikunternehmen ist vor allem das Depotladen relevant, weil sich die Ladevorgänge dort gut in die betrieblichen Abläufe einplanen lassen – und genau hier setzt auch netzorientiertes Laden an (siehe unten).

Im Depot

Ein Großteil der Ladevorgänge findet auf dem eigenen Betriebshof statt – häufig über Nacht, wenn die Fahrzeuge stehen. Hier kann mit moderateren Ladeleistungen über einen längeren Zeitraum geladen werden.

Unterwegs

Im Fernverkehr wird entlang der Autobahnen und an Logistikknotenpunkten geladen – dort möglichst schnell während der Lenkzeitpause. Hierfür sind sehr hohe Ladeleistungen erforderlich.

Ladeleistung und Ladedauer: von CCS bis Megawatt Charging (MCS)

Für das Laden von E-Lkw kommen zwei Ladestandards zum Einsatz:

Standard Ladeleistung Einsatz
CCS bis rund 400 kW verbreiteter Schnellladestandard (auch bei Pkw)
MCS technisch bis 3,75 MW (erste Stationen ab ~1 MW) speziell für schwere Lkw – Schnellladen im Fernverkehr

MCS (Megawatt Charging System) ist der neue, speziell für schwere Nutzfahrzeuge entwickelte Ladestandard. Er ist technisch für Ladeleistungen von bis zu 3,75 Megawatt ausgelegt; die ersten Ladestationen, die seit 2025 errichtet werden, ermöglichen rund ein Megawatt und mehr. Zum Vergleich: Der heute verbreitete CCS-Standard (Combined Charging System) liefert bis zu etwa 400 Kilowatt.

Mit MCS lässt sich die Batterie eines E-Lkw in etwa einer halben Stunde von rund 20 auf 80 Prozent laden – kurz genug, um die Standzeit während einer Lenkzeitpause zu nutzen. Der Standard wurde von der Charging Interface Initiative (CharIN) entwickelt und wird seit 2025 in der Praxis erprobt und ausgebaut.

Netze BW und Stickel Mitarbeiter vor einem LKW.

Was das für den Netzanschluss bedeutet

Hohe Ladeleistungen brauchen einen entsprechend leistungsfähigen Netzanschluss. Die bestehenden Anschlüsse vieler Logistikdepots sind darauf bislang nicht ausgelegt und müssen erweitert werden – man spricht von einer Leistungserhöhung. Große Schnellladestandorte für Lkw können erhebliche Anschlussleistungen erfordern: Einzelne Standorte mit mehreren MCS-Ladepunkten benötigen unter Umständen eine Netzleistung von mehreren Megawatt.

Als Verteilnetzbetreiber realisiert Netze BW diese Netzanschlüsse und Leistungserhöhungen. Weil die Nachfrage nach Netzkapazität derzeit schneller wächst als der Netzausbau, vergeben wir Netzanschlüsse nach festen, transparenten Regeln. Für Bezugsanschlüsse und Leistungserhöhungen ab 950 kW in der Mittel- und Hochspannung – darunter können auch größere Ladestandorte fallen – gilt ein Punkteverfahren mit festen Anmeldezeiträumen, bei dem unter anderem die Projektreife zählt. Deshalb lohnt es sich, Ladeinfrastruktur und Netzanschluss frühzeitig gemeinsam zu planen.

Wie Netzanschlüsse vergeben werden und wann Sie Ihre Anfrage stellen können: Vergabeverfahren für Netzanschlüsse →

Erste, unverbindliche Orientierung zu möglichen Anschlusspunkten in der Mittelspannung: Zur Mittelspannungsauskunft →

Netzorientiertes Laden: Ladeinfrastruktur ans Netz anpassen

Ein Netzanschluss wird heute in der Regel auf die dauerhaft benötigte Höchstleistung ausgelegt. Das Stromnetz ist aber nicht zu jeder Zeit gleich stark ausgelastet – je nach Tageszeit und Wetter stehen unterschiedlich große freie Kapazitäten zur Verfügung. Genau hier setzt netzorientiertes Laden an: Die Ladeleistung wird an die aktuelle Situation im Netz angepasst. In Zeiten mit viel freier Kapazität – etwa bei hoher Solarstrom-Einspeisung – kann mehr geladen werden, in Phasen hoher Netzlast entsprechend weniger.

Für große Ladeparks – etwa an Logistikdepots – geht es um deutlich höhere Leistungen. Hier lassen sich über netzorientierte Ladefahrpläne freie Netzkapazitäten gezielt nutzen: Anschlussnehmer und Netzbetreiber vereinbaren im Vorfeld, welche Leistung zu welchen Zeiten zur Verfügung steht. So können Leistungserhöhungen teilweise schon realisiert werden, bevor ein aufwendiger Netzausbau abgeschlossen ist. Genau das erprobt Netze BW im Projekt FlexCharge BW.

Zwei LKWs die geladen werden.

FlexCharge BW: netzorientiertes Laden von E-Lkw-Flotten

Im NETZlabor FlexCharge BW untersucht Netze BW gemeinsam mit zwei Logistikunternehmen in Baden-Württemberg, wie E-Lkw-Flotten netzorientiert geladen werden können. Über dynamische Ladefahrpläne, die logistische Abläufe und die aktuelle Netzsituation zusammenbringen, soll die vorhandene Netzinfrastruktur intelligenter genutzt und der Anschluss von Ladeinfrastruktur beschleunigt werden.

Mehr zum Projekt: FlexCharge BW – NETZlabor E-Lkw →

Batteriebetriebene LKW beim Ladevorgang an einer Ladesäule

E-Lkw und die Wirtschaftlichkeit: Maut und Förderung

Neben dem Umweltaspekt sprechen zunehmend wirtschaftliche Gründe für E-Lkw. Ein wichtiger Faktor ist die Maut: Emissionsfreie Lkw sind auf deutschen Bundesfernstraßen vollständig von der Lkw-Maut befreit. Diese Befreiung wurde bis zum 30. Juni 2031 verlängert. Für einen elektrischen 40-Tonner bedeutet das gegenüber einem Diesel-Lkw eine Ersparnis von rund 35 Cent pro Kilometer. Ergänzend fördert das Bundesverkehrsministerium den Aufbau von Ladeinfrastruktur für schwere E-Lkw – gefördert werden unter anderem Ladepunkte, Netzanschlüsse, Batteriespeicher und Lastmanagement. Da sich Förderaufrufe und Fristen regelmäßig ändern, lohnt ein Blick auf die aktuellen Programme des Bundes.

Häufige Fragen rund ums E-Lkw-Laden

Das hängt vom Ladeort ab. Im Depot wird meist über Nacht mit moderater Leistung geladen. Unterwegs ermöglicht der Schnellladestandard MCS, die Batterie in etwa einer halben Stunde von rund 20 auf 80 Prozent zu laden – passend zur Lenkzeitpause.

Mit dem verbreiteten CCS-Standard sind bis zu rund 400 Kilowatt möglich. Der neue Megawatt-Ladestandard MCS ist technisch für bis zu 3,75 Megawatt ausgelegt; die ersten Stationen ermöglichen rund ein Megawatt und mehr.

Eine pauschale Angabe ist nicht möglich, da die Kosten stark von Ladeleistung, Anzahl der Ladepunkte und den örtlichen Gegebenheiten abhängen. Ein wesentlicher Kostenfaktor ist der Netzanschluss beziehungsweise eine notwendige Leistungserhöhung.

Beim netzorientierten Laden wird die Ladeleistung an die aktuelle Auslastung des Stromnetzes angepasst. In Zeiten mit viel freier Netzkapazität wird mehr geladen, bei hoher Netzlast weniger. So lässt sich die vorhandene Netzinfrastruktur effizienter nutzen.

Ja. Emissionsfreie Lkw sind auf deutschen Bundesfernstraßen vollständig von der Lkw-Maut befreit. Diese Befreiung wurde bis zum 30. Juni 2031 verlängert.