Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Wasserstoff in Baden-Württemberg

Wie wir unser Gasnetz bedarfsorientiert auf Wasserstoff vorbereiten

Wasserstoff ist für die Netze BW ein strategisch wichtiger Baustein der Energiewende — überall dort, wo Elektrifizierung oder Wärmenetze an ihre Grenzen stoßen. Als regionaler Verteilnetzbetreiber bereiten wir unser Gasnetz auf den Transport von Wasserstoff vor und transformieren es dort, wo ein verbindlicher und wirtschaftlich tragfähiger Bedarf besteht. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie und wann der Wasserstoff nach Baden-Württemberg kommt — und was das für Ihr Unternehmen, Ihre Kommune oder Ihr Zuhause bedeutet.

Warum Wasserstoff ein Baustein der Energiewende ist

In den kommenden Jahrzehnten wird die Nutzung von Erdgas abnehmen, weil Wärme- und Industrieanwendungen zunehmend elektrifiziert werden. Gleichzeitig wird die vom Land angestrebte klimaneutrale Energieversorgung nicht allein über Strom funktionieren — Baden-Württemberg hat sich das Ziel Klimaneutralität bis 2040 gesetzt.

Für einige Anwendungen gibt es auf absehbare Zeit keine wirtschaftliche Alternative zu einem gasförmigen Energieträger: Hochtemperaturprozesse in der Industrie etwa, oder H2-ready-Kraftwerke, die einspringen, wenn Wind und Sonne nicht liefern. Genau dort setzt Wasserstoff an — nicht als Ersatz für die Elektrifizierung, sondern als Ergänzung an ihren Grenzen.

Wie kommt der Wasserstoff nach Baden-Württemberg?

Der Weg führt in der Regel über zwei Netzebenen. Für den überregionalen Transport ist der Fernleitungsnetzbetreiber zuständig — in unserer Region die terranets bw. Die Netze BW übernimmt als Verteilnetzbetreiber die Verteilung in der Fläche: von der großen Transportachse bis zum Unternehmen vor Ort.

Die Fernleitungsebene: terranets bw und die SEL

Die Süddeutsche Erdgasleitung (SEL) der terranets bw ist Teil des nationalen Wasserstoff-Kernnetzes und bildet die primäre Wasserstoffachse für unser Netzgebiet. Die rund 250 Kilometer lange Leitung verläuft von Lampertheim in Hessen über Heidelberg, Heilbronn, Ludwigsburg, Esslingen und Göppingen bis nach Bayern. Sie transportiert zunächst Erdgas und wird perspektivisch auf Wasserstoff umgestellt.

Über den aktuellen Baufortschritt informiert terranets bw direkt: www.terranets-sel.de

Die Verteilnetzebene: unsere Aufgabe in der Fläche

Während der Fernleitungsnetzbetreiber den Wasserstoff über weite Strecken transportiert und überwiegend nachgelagerte Netzbetreiber anschließt, übernehmen wir als Verteilnetzbetreiber die Hauptaufgabe der Verteilung in der Fläche: Wir leiten den Wasserstoff von der Transportachse weiter und übernehmen die regionale Verteilung — bedarfsorientiert zu den Kundinnen und Kunden vor Ort.

Unsere Gasverteilnetze sind grundsätzlich wasserstofftauglich. Bevor einzelne Netzabschnitte auf Wasserstoff umgestellt werden, prüfen wir die jeweiligen Voraussetzungen und bereiten das Netz technisch darauf vor.

Wann kommt der Wasserstoff?

Ein verbindliches Datum können wir Ihnen heute nicht nennen — und wir halten es für wichtig, das offen zu sagen. Der Zeitpunkt hängt von Faktoren ab, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen.

Entscheidend ist zunächst, wann die terranets bw die SEL fertigstellt und mit Wasserstoff befüllt. Dieser Zeitplan richtet sich wiederum stark nach den Planungen großer energieintensiver Letztverbraucher und Kraftwerke, die direkt an die SEL angeschlossen werden sollen — sie wirken als Zugpferd für die Umstellung.
Nach aktuellem Stand sollen erste Teilabschnitte der SEL ab Ende 2026 Erdgas transportieren; die Umstellung auf Wasserstoff ist für frühestens Mitte der 2030er Jahre vorgesehen. Bundesweit soll die Umsetzung des Kernnetzes bis spätestens 2037 weitgehend abgeschlossen sein.

Auf den Zeitplan der Letztverbraucher und der Fernleitungsnetzbetreiber haben wir als regionaler Verteilnetzbetreiber keinen direkten Einfluss. Was wir beeinflussen können, ist die Vorbereitung unseres eigenen Netzes.

Ihr Bedarf macht den Unterschied

Planen Sie den Einsatz von Wasserstoff in Ihrem Unternehmen? Dann melden Sie uns Ihren Bedarf möglichst frühzeitig.
Ihre Angaben helfen uns dabei, die Nachfrage in Ihrer Region zu bündeln, den erforderlichen Netzausbau beziehungsweise die Umstellung bestehender Netze zu bewerten und die weiteren Schritte gezielt vorzubereiten. Je früher wir Ihren zukünftigen Bedarf kennen, desto besser können wir ihn in unsere Netzplanung einbeziehen.

Was das für Sie bedeutet

Für die zukünftige Ausgestaltung der Energieversorgung wird der rechtliche Rahmen derzeit noch geschaffen. Wir beobachten die Entwicklungen genau und bereiten uns auf die kommenden Vorgaben vor, um Ihnen auch in Zukunft eine sichere und zuverlässige Infrastruktur zu bieten.

Gewerbe- und Industriekunden

Die Wasserstofftransformation beginnt bei industriellen und systemrelevanten Großverbrauchern. Unser Fokus liegt zunächst auf Industrieanlagen mit schwer elektrifizierbaren Hochtemperaturprozessen und auf H2-ready-Kraftwerken, für die Wasserstoff oft alternativlos ist.
Wir transformieren unser Netz genau dort, wo ein verbindlicher und wirtschaftlich tragfähiger Bedarf vorhanden ist. Melden Sie sich frühzeitig mit Ihren Plänen bei uns, damit wir die Transformation des Netzes optimal auf Ihren zukünftigen Bedarf abstimmen können.

Schreiben Sie uns an wasserstoff@netze-bw.de.

Kommunen

Die kommunale Wärmeplanung ist ein zentrales Orientierungsinstrument bei der Umsetzung der lokalen Energiewende. Als regionaler Verteilnetzbetreiber begleiten wir Sie bei diesen Planungsschritten. Um Planungskonflikte beim Umbau der Infrastruktur zu vermeiden und eine zielgerichtete Transformation sicherzustellen, ist eine enge Abstimmung zwischen Kommune und Verteilnetzbetreiber essenziell.

Spezifische Daten und passgenaue Informationen zur technischen Eignung des Gasnetzes in Ihrer Kommune stellen wir Ihnen direkt über die KommunalPlattform zur Verfügung.

Privatkundinnen und Privatkunden

Für die Wärmeversorgung privater Haushalte stehen andere Technologien im Vordergrund — vor allem Wärmepumpen und Wärmenetze. Wasserstoff wird keine Standardlösung für alle heutigen Gaskundinnen und Gaskunden sein. Eine Wasserstoffversorgung privater Haushalte könnte dort wirtschaftlich umsetzbar sein, wo diese in räumlicher Nähe zur Großindustrie liegen und über deren Infrastruktur mitversorgt werden können. Ob das für Ihre Adresse zutrifft, können wir aktuell aufgrund der rechtlichen Unsicherheit noch nicht bewerten.

Bei weiterführenden Fragen wenden Sie sich bitte an wasserstoff@netze-bw.de.

Welcher Wasserstoff zählt: RFNBO, kohlenstoffarm und fossil

In den Medien dominieren farbige Spitznamen — grün, blau, grau, türkis, pink. Für EU-Recht, Förderfähigkeit und die Anrechnung auf Klimaziele zählt jedoch eine andere Währung: wie viel Treibhausgase bei der Herstellung tatsächlich entstehen. Der gemeinsame Maßstab ist eine Mindesteinsparung von 70 Prozent gegenüber einem fossilen Vergleichswert von 94 g CO₂-Äquivalent pro Megajoule — das entspricht einer Obergrenze von 28,2 g CO₂-Äquivalent pro Megajoule.

Erneuerbarer Wasserstoff (RFNBO, „grün")

Darf ausschließlich mit erneuerbarem Strom hergestellt werden, etwa aus Wind-, Sonnen- oder Wasserkraft. Zusätzlich gilt das Prinzip der Zusätzlichkeit: Um das Stromnetz nicht zu belasten, müssen für diesen Wasserstoff neue Erneuerbaren-Anlagen gebaut werden — wer Wasserstoff herstellt, bringt seinen Ökostrom also selbst mit. Hinzu kommen Anforderungen an zeitliche und räumliche Korrelation von Stromerzeugung und Elektrolyse. Auch RFNBO müssen die 70-Prozent-Schwelle einhalten.

Kohlenstoffarmer Wasserstoff („blau", „pink")

Hier ist der Herstellungsweg zweitrangig — zulässig sind zum Beispiel Erdgas mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung oder Elektrolyse mit kohlenstoffarmem Strom. Entscheidend ist allein das Ergebnis: mindestens 70 Prozent weniger Treibhausgase über den gesamten Lebenszyklus. Die Berechnungsmethodik regelt die Delegierte Verordnung (EU) 2025/2359, in Kraft seit dem 11. Dezember 2025.

Fossiler Wasserstoff („grau")

Der heutige Standard aus Erdgas oder Kohle. Das entstehende CO₂ gelangt unbehandelt in die Atmosphäre, die 70-Prozent-Schwelle wird deutlich verfehlt. Die Konsequenz: keine Förderfähigkeit und keine Anrechnung auf staatliche Klimaziele.

Die Wasserstoffarten im Vergleich

Erneuerbar (RFNBO) Kohlenstoffarm Fossil
Gängiger Spitzname grün blau, pink grau
Energiequelle ausschließlich erneuerbarer Strom beliebig, Ergebnis zählt Erdgas, Kohle
THG-Einsparung mindestens 70 Prozent mindestens 70 Prozent deutlich darunter
Zusätzlichkeit gefordert ja nein
Rechtsgrundlage RED II/III, Del. VO (EU) 2023/1184 und 2023/1185 RL (EU) 2024/1788, Del. VO (EU) 2025/2359
Förderfähig ja ja nein

Gut zu wissen:

Aus technischer Sicht ist die Transportinfrastruktur neutral gegenüber der Art des Wasserstoffs — durch die Leitung fließt Wasserstoff, unabhängig davon, wie er hergestellt wurde. Welcher Wasserstoff eingesetzt werden darf und gefördert wird, bestimmt allein der gesetzliche Rahmen.

Anwendung lädt