Zum Inhalt springen Zum Footer springen

13. August 2026

Netze BW macht Netzanschlüsse für Großkunden planbarer: Neues Verfahren schafft Transparenz bei knappen Kapazitäten

Für Netzanschlüsse und Leistungserhöhungen über 950 Kilowatt in der Mittel- und Hochspannung gelten neue Regeln

Stuttgart. Wer heute ein großes Industrieprojekt, einen Batteriespeicher oder eine neue Gewerbeansiedlung plant, denkt früh an vieles – und braucht am Ende vor allem eines: einen leistungsfähigen Netzanschluss. Doch genau diese Anschlüsse sind inzwischen so gefragt wie nie. Je nach Standort kann die verfügbare Leistung im Stromnetz deshalb knapp werden.

In Abstimmung mit dem Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW) führt die Netze BW deshalb ein stichtagsbezogenes Vergabeverfahren ein. Es betrifft Leistungserhöhungen und Netzanschlüsse über 950 Kilowatt. Privatkundinnen und Privatkunden – etwa mit einer PV-Anlage auf dem Dach oder einer Wärmepumpe im Keller – sind davon nicht betroffen. Ziel ist es, verfügbare Anschlussleistungen transparent, fair und diskriminierungsfrei zu verteilen – und gut vorbereiteten Projekten mehr Planungssicherheit zu geben. Unternehmen und Verband setzen damit auch einen Impuls für die geplante Taskforce Netzausbaubeschleunigung des Landes Baden-Württemberg. Diese wird sich ab Herbst nicht nur mit schnelleren Verfahren zum Bau von Infrastruktur beschäftigen. Auch mehr Effizienz bei Netznutzung und Netzzugang wird ein Schwerpunkt sein.

„Die Vielzahl der eingehenden Anfragen zeigt deutlich, wie groß der Bedarf an schnellen und leistungsfähigen Netzanschlüssen ist. Zum Vergleich: Die höchste gleichzeitig benötigte Leistung in unserem Netzgebiet lag 2025 bei 7,3 Gigawatt. Dem stehen heute offene Anschlussanfragen von über 20 Gigawatt in der Hochspannung und 2,2 Gigawatt in der Mittelspannung gegenüber, davon mehr als 93 Prozent für Speicherprojekte“, erklärt Jörg Reichert, Vorsitzender der Netze BW-Geschäftsführung. „Die nachgefragte Anschlussleistung übersteigt damit bereits die bisherige Spitzenlast im Netz deutlich. Was in früheren Phasen angesichts geringerer Nachfrage praktikabel war, reicht unter diesen Bedingungen heute nicht mehr aus. Umso wichtiger ist es, knappe Kapazitäten nicht mehr allein nach dem Prinzip ‚Wer zuerst kommt, mahlt zuerst‘ zu vergeben. Wer sein Vorhaben gut vorbereitet, vollständige Unterlagen einreicht und ein konkretes Projekt nachweisen kann, bekommt schneller einen Netzanschluss.“

Warum das Verfahren angepasst wird

Netze BW reagiert mit dem neuen Vergabeverfahren auf den wachsenden Bedarf an Netzanschlüssen und Leistungserhöhungen – und investiert zugleich bis 2030 jährlich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in den Ausbau und die Modernisierung der Stromnetzinfrastruktur. Neue Kapazitäten entstehen jedoch nicht von heute auf morgen. Begrenzte Fachfirmenkapazitäten, steigende Materialkosten, die Suche nach geeigneten Standorten für Umspannwerke sowie aufwändige Genehmigungsverfahren für Hochspannungsleitungen können lokale Netzanschlüsse verzögern. Deshalb reicht es bei knappen Anschlussleistungen nicht mehr aus, allein den Zeitpunkt der Anfrage zu berücksichtigen: Wer zuerst anfragt, ist nicht automatisch am weitesten in der Planung fortgeschritten oder nutzt die Leistung zur Aufrechterhaltung der essenziellen Daseinsvorsorge.

Das neue stichtagsbezogene Punkteverfahren setzt genau dort an. Diese Kriterien stehen zukünftig im Mittelpunkt:

  • Projektreife: Je weiter ein Projekt bereits vorbereitet ist – etwa durch Kaufverträge, Reservierungsvereinbarungen oder Genehmigungen –, desto stärker wird dies berücksichtigt.

  • Ortsgebundenheit: Wenn ein Projekt an einen bestimmten Standort gebunden ist – etwa bei Erweiterungen bestehender Anlagen oder bei der Anbindung an Fern- und Nahwärmenetze –, fließt auch dies in die Bewertung ein.

  • Frühzeitigkeit: Zudem wird berücksichtigt, wie früh eine Anfrage angemeldet wurde.

Mehr Planungssicherheit für konkrete Projekte – Anmeldestart am 1. November 2026

Sollte ein Vorhaben erst in mehr als drei Jahren umgesetzt werden, können Interessierte künftig schon frühzeitig ihre Absicht anmelden. Diese frühe Interessensbekundung kann dann beim späteren Priorisierungsverfahren im Kriterium „Frühzeitigkeit“ mit einer höheren Punktezahl berücksichtigt werden. Dadurch ist es möglich, den Bedarf in einzelnen Regionen besser vorherzusehen und den Netzausbau entsprechend zu planen, um die im internationalen Vergleich hohe Netzqualität weiter auszubauen.

Wenn durch den Ausbau des Stromnetzes in einer Region mehr Anschlussmöglichkeiten entstehen oder noch vorhanden sind, öffnet Netze BW dort einmal im Jahr das Vergabeverfahren für eine bestimmte Zeit. Der erste Anmeldezeitraum ist vom 1. November bis 31. Dezember 2026 geplant.

Die erste Vergabe ist im März 2027 vorgesehen. Weitere Informationen zum Verfahren, zu den Kriterien und zur Anmeldung stellt Netze BW auf ihrer Webseite bereit: www.netze-bw.de/netzanschluss/vergabe.

Ergänzend dazu erweitert Netze BW zum 1. September ihre digitale Mittelspannungsauskunft: Sie umfasst künftig auch größere Netzanschlüsse auf der Bezugsseite, also für Anlagen und Standorte, die Strom aus dem Netz beziehen. So können mögliche Anschlusspunkte im Mittelspannungsnetz frühzeitig und unverbindlich geprüft werden.

„Wir begrüßen, dass Netze BW diesen Weg geht und bei Engpasssituationen ein faires, transparentes und nachvollziehbares Priorisierungsverfahren einführt. Das ist ein wichtiges Signal: Wenn Netzkapazitäten knapp sind, brauchen Unternehmen klare Kriterien, verlässliche Prozesse und eine gemeinsame Orientierung. Genau hier kann das Verfahren helfen – und zugleich Mitgliedsunternehmen ermutigen, bei vergleichbaren Herausforderungen auf eine abgestimmte Lösung zu setzen“, erklärt Torsten Höck, geschäftsführender Vorstand beim VfEW.

Welche Anfragen weiterhin nach Eingangsdatum bearbeitet werden

Nicht alle Anschlussanfragen werden nach dem neuen Punkteverfahren bewertet. Für bestimmte Vorhaben bleibt weiterhin der Zeitpunkt des Antragseingangs maßgeblich – das sogenannte Windhundprinzip. Das gilt insbesondere für Anschlüsse von EEG-Anlagen (auch Grünstromspeichern) und von Anlagen, die der essenziellen Daseinsvorsorge dienen.

Zur essenziellen Daseinsvorsorge zählen fast alle Anlagen unter 950 kW. Ausgenommen davon sind jedoch zum Beispiel Standalone-Speicher. Dagegen gehören Krankenhäuser, Schulen, Rettungsdienste, Verwaltungen sowie Anlagen der Wasser-, Abfall- und Wärmeversorgung – unabhängig von ihrer Leistungsgröße – zur essenziellen Daseinsvorsorge. Das bedeutet: Diese Anfragen werden weiterhin im Windhundverfahren und damit vorrangig zum stichtagsbezogenen Vergabeverfahren bewertet. So bleibt sichergestellt, dass besonders wichtige Einrichtungen, die für das tägliche Leben und die Versorgung der Menschen vor Ort notwendig sind, weiterhin verlässlich mit Netzkapazitäten versorgt werden.

Über die Netze BW GmbH

Die Netze BW GmbH steht für eine sichere Versorgung in Baden-Württemberg und kundennahen Netzservice. Sie ist das größte Netzunternehmen für Strom, Gas und Wasser in Baden-Württemberg und eine Tochtergesellschaft der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Als Verteilnetzbetreiber betreibt die Netze BW insgesamt knapp 100.000 Kilometer lange Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze für 2,37 Millionen Netzkundinnen und Netzkunden im Land sowie das Gasverteilnetz für rund 104.000 Netzkundinnen und Netzkunden. Außerdem erbringt und vertreibt die Sparte Dienstleistungen netznahe und kommunale Dienstleistungen für Kommunen und Stadtwerke. Das Unternehmen hat an rund 90 Standorten in Baden-Württemberg mehr als 5.800 Mitarbeitende sowie 800 Auszubildende und Studierende.

Weitere Neuigkeiten aus Kategorie: Pressemitteilung

Von links: Lukas Wienanga, Fred Oechsle, Steffen Ringwald, Stephan Einsiedler und Thomas Schlegel von Netze BW setzen sich für zusätzliche Netzkapazitäten auf dem Heuberg und in weiteren Regionen Baden-Württembergs ein.

30. Juli 2026

Stromnetz auf dem Heuberg am Limit: Netze BW legt Maßnahmenpaket für W ...

Neuer 72-Tonnen-Transformator wird im Umspannwerk Stein per LKW angeliefert.

28. Juli 2026

Neuer 72-Tonnen-Transformator erreicht das Umspannwerk Stein

Bild © Netze BW GmbH/Heike Jung

21. Juli 2026

Bunter Blickfang am Lochmanns Kreuz

Bilder © Netze BW GmbH/Uli Deck

16. Juli 2026

Netze BW startet Bau ihres neuen Regionalzentrums in Östringen