18. September 2020

Vom Umspannwerk zum „Summspannwerk“

Netze BW und das Netzwerk Blühende Landschaft werten über 300 Grünflächen im Land ökologisch auf und machen sie zu attraktiven, artenreichen Blumenwiesen für Bienen, Hummeln & Co

Dornstadt/Stuttgart. Sie haben eine Schlüsselrolle für die Stromversorgung, aber ihre Schönheit erschließt sich meist nur technisch Interessierten: die über 300 Umspannwerke der Netze BW in Baden-Württemberg. Das könnte sich bald ändern. Die Netze BW und das Netzwerk Blühende Landschaft wollen die vorhandenen Grünflächen systematisch ökologisch aufwerten und die „Umspannwerke“ zu lebendigen und für Insekten attraktiven „Summspannwerken“ machen. In Dornstadt bei Ulm fiel jetzt mit einer symbolischen Aussaat der Startschuss für das landesweite Projekt.

In den Umspannwerken wird Strom aus den großen überregionalen Leitungen (meist 110 Kilovolt) für die Weiterverteilung in der Fläche heruntertransformiert. Neben den notwendigen Transformatoren und Schalteinrichtungen gibt es dort oft Grünflächen, die für Erweiterungen, als Ersatz oder aus Sicherheitsgründen frei bleiben. „Diese Wiesen haben wir in der Vergangenheit konventionell bewirtschaftet und ansonsten weitgehend in Ruhe gelassen“, erklärte Christoph Müller, Geschäftsführer der Netze BW, bei der Veranstaltung: „Jetzt wollen wir daraus mehr machen, gezielt bedrohten Lebensräume schützen und Artenvielfalt fördern – das gehört zu unserem Anspruch an Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung. Deshalb haben wir auch vor kurzem die Nachhaltigkeitscharta des Landes unterzeichnet.“

Partnerschaft mit dem Netzwerk Blühende Landschaft

Die Netze BW will die ungenutzten Flächen nach und nach in bunte, artenreiche Blumenwiesen umwandeln – die Größe reicht dabei je nach Umspannwerk von 700 bis zu 10.000 Quadratmetern. Unterstützt wird sie dabei vom Netzwerk Blühende Landschaft. Das bundesweit aktive Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Kulturlandschaft wieder für Bienen, Hummeln und Co. aufblühen zu lassen und arbeitet dabei mit Landwirten, Kommunen, Naturschützern und vielen weiteren zusammen. Dessen Leiter Matthias Wucherer verwies auf die ökologischen Hintergründe des Projekts: „Wiesen auf nährstoffarmen Böden, auf denen viele spezielle Pflanzen leben, von denen sich vor allem auch bedrohte Wildbienenarten ernähren, werden immer seltener. Hier können Landwirte bei aller Motivation nicht helfen, denn sie sind wirtschaftlich auf nährstoffreiche, produktive Böden angewiesen. Netze BW ergreift hier die Möglichkeit, Magerwiesen als Trittsteine in der freien Landschaft zu gestalten und fördert damit ein derzeit unterrepräsentiertes Spektrum an Biodiversität.“

An vier Standorten der EnBW-Tochter wurde das Konzept im vergangenen Jahr bereits erprobt. Nach dem Startschuss in Dornstadt sollen ab jetzt jedes Jahr weitere Standorte hinzukommen. Die Natur braucht allerdings ein bisschen Zeit: Von der Aussaat des jeweils speziell für die jeweilige Region zusammengestellten Saatguts bis zur (fast) selbständigen Blumenwiese dauert es einige Jahre. Am Ende steht über das gesamte Jahr hinweg ein reichhaltiges Angebot für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Bestäuber. Mit 30 bis 60 Pflanzenarten pro Quadratmeter entstehen rund um die technischen Anlagen echte Hotspots der Biodiversität – bunte Oasen für die heimische Insektenwelt, die Nahrung, Schutz und Rückzugsraum bieten.

Unterstützung von Land, OEW und Stadt

Über fehlenden Rückenwind kann das Projekt nicht klagen: Ministerialdirektor Helmfried Meinel vom Umweltministerium Baden-Württemberg erklärte in Dornstadt: „Überall, auch in Baden-Württemberg, ist die biologische Vielfalt massiv bedroht. Sie zu schützen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich die Netze BW stellt. Mit der Ansaat einst für diese Landschaft typischer blütenbunter Wiesen bekommen Insekten ein Stück Lebensraum zurück. So können Arten in ihrer Vielfalt geschützt werden.“

Auch Barbara Endriss, Geschäftsführerin des EnBW-Anteilseigners Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) lobte: „Die ‚Summspannwerke‘ sind eine hervorragende Idee – die Blumenwiesen bieten nicht nur einen Lebensraum für heimische Insekten, sie sehen auch wunderbar aus.“ Und Dornstadts Bürgermeister Rainer Braig erklärte: „Die Aktion ist ein gutes Beispiel dafür, was alles möglich ist, wenn man gewillt ist, etwas zu tun. Die Umwandlung der vorhandenen Grünflächen der Umspannwerke in blühende Wiesen ist ein wichtiger Beitrag zu mehr Biodiversität.“

Gemeinsam mit Christoph Müller und Matthias Wucherer schritten die Gäste anschließend zur Tat und säten auf dem Gelände Samen von heimischen, wilden Blumenwiesenpflanzen aus der Naturregion aus. Bereits im nächsten Frühjahr wird man an dieser Stelle die ersten Blüten und Blumen sehen – und hoffentlich auch das Summen und Brummen der Blütenbesucher hören.

Info

  • In diesen Umspannwerken wurde das Konzept bereits erprobt: Berghausen, Herbolzheim, Nehren, Nellingen
  • Für 2020/2021 vorgesehen: Baindt, Breisach, Donnstetten, Dornstadt, Echterdingen-Süd, Eislingen-Ost, Gurtweil, Ingelfingen, Kupferzell, Leutkirch, Moos, Wolfsberg
  • Weitere Informationen zum Projekt: www.netze-bw.de/summspannwerke

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